Fr, 21. Juni 2024 | 19:30 Uhr

Oppenheimer

Biopic/USA/2023/180Min.


Nolans neuer Film ist pures Überwältigungskino in wahrer Perfektion.

Im Jahr 1954 sitzt Julius Robert Oppenheimer vor einem Befragungsausschuss. Dieser muss entscheiden, ob der Wissenschaftler, der neun Jahre zuvor mit seinem Team die Atombombe entwickelt hat, noch eine Sicherheitsfreigabe für geheime Regierungsdokumente erhalten darf. Von den USA einst für seine Erfindung gefeiert, steht er nun unter dem Verdacht staatsfeindlicher Verschwörungen. Zu kämpfen hat Oppenheimer jedoch mehr mit sich und seinen inneren Dämonen. Denn so wie Prometheus, der einst das Feuer zu den Menschen brachte, war auch Oppenheimer nicht in der Lage, abzusehen, was sein Schaffen für Konsequenzen mit sich führte.

Der neue Film von Christopher Nolan ist in jeder der insgesamt 180 Minuten Lauflänge pures Überwältigungskino. Bereits der Einstieg, ein Montage-Wirbelwind durch Oppenheimers frühe Forscherjahre, zeigt auf beeindruckende Weise Nolans audiovisuelles und inszenatorisches Gesamtkonzept. Die Bilder, in deren Zentrum fast immer Oppenheimer selbst steht, sind in perfekter Symmetrie komponiert und werden gekoppelt mit einem infernalischen Score (komponiert von Ludwig Göransson), in dem sich orchestrale Musik mit eingebauten Soundelementen wie einer Warnsirene, einem Geigerzähler oder einem Countdown vermischen. Das wirkt ebenso eindringlich wie Nolans Erzählstruktur, die durch das kongeniale Editing maximal verrätselt zwischen den in Farbe und in Schwarz/Weiß gehaltenen Zeitebenen wandelt. Der herausragende Cast wird angeführt von Robert Downey Jr. als von Ehrgeiz zerfressenem Abgeordneten, Emily Blunt als Oppenheimers Ehefrau und Matt Damon als General Gloves, der das „Manhattan Project“ zum Test der Atombombe überwachte. Sie alle überzeugen, genau wie der übergroße, stargespickte Cast, der die kleinsten Nebenrollen mit Leben füllt. Doch Cillian Murphy als Robert Oppenheimer ist, auch ganz wörtlich durch die Kameraführung von Hoyte Van Hoytema, im „Zentrum“ des Geschehens. Getrieben wirkt sein intensives Spiel, aber auch verloren und immer ein wenig abwesend. Fern vom Anspruch, große Empathie bei den Zuschauenden auszulösen, verkörpert er die Ambivalenz dieser historischen Figur eindrucksvoll. Nolans Drehbuch verhandelt neben dem historischen Abriss der Geschehnisse auch hochaktuelle Fragen und hält politischen Systemen damals wie heute einen mahnenden Spiegel vor. Denn Geschichte mag vergangen sein. Doch die Spuren, das machen gerade die letzten Bilder des Films deutlich, sind bis heute deutlich zu sehen.

 

Adresse & Anfahrt
Die Kinovorführungen finden im forum2 statt – das Kino der Olympiasportler von 1972 –  mit großer Kinoleinwand und aktueller Profi-Vorführtechnik. forum2 befindet sich unterhalb der Nadischule im Olympiadorf: Nadistraße 3, 80809 München

Eine genaue Anfahrtsbeschreibung findet sich unter: Kultur-forum2 – Anfahrt

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Standard-Preis: 8 Euro | ermäßigter Preis: 6 Euro | Preis für Mitglieder des Kulturvereins: 4 €

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